30/ Marzec 2017
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In der Jugend haben sie mich nicht interessiert, wozu sollte ich brauchen, was früher war, wenn nur die Zukunft meine Neugierde weckte. Hastig, lese ich diese Tagebücher heute, weiser um das Bewusstsein welchen Wert die Ortsnamen, Wegekurven, Hügel und Fähren auf den Flüssen besitzen. Weiser um die Notwendigkeit, die Provinz und das Haus zu achten, und ihre Feiertage und Spuren vergangener Menschen.



Czesław Miłosz, Mój dziadek Zygmunt Kunat
[Mein Großvater Sigismund Kunat] Znak Verlag 2001

Warum wir nach Polen suchen?

Wir suchen ein Polen wie es über Jahrhunderte gewesen ist: vielseitig wie der Turm von Babel und reich an verschiedenen Küchen, überraschend und sonderbar für die einen, aber verständlich für die, welche in ihm geboren wurden.
Ein Polen, auf das wir stolz sein können, und in Zeiten des Umbruchs: des Aufbaus der Einheit des alten Kontinents, dass zwischen Ost und West aufgerissen wurde in seiner Identität zu beschützen und zu pflegen. Ein Polen, das uns die Kraft gibt uns selbst vor unseren eigenen Geistern und Komplexen zu befreien. Wir werden ein Polen suchen, zwischen verzwickten Erzählungen und Stammbäumen menschlicher Schicksale, in Koffern mit alten Fotos und in unermüdlicher Diskussion.

Auf der Wanderung durch die Vergangenheit werden wir oft auf ein Polen stoßen, das nicht mehr existiert, wir hoffen aber, diese besonderen Kennzeichen unserer Heimat zu finden, auf die wir stolz sein können: Fundamente der Toleranz, der Wertschätzung anderer, der Treue und des Stolzes auf die eigene Tradition. Polen war nämlich überall dort, wo all die wunderbaren Nationen lebten, die ihm viel verdanken, denen aber auch Polen so viel verdankt: den Ukrainern und Juden, Weißrussen und Litauern, Lemkos und Deutschen, Tataren und Russen, Karaimern und Roma - Brillanten unseres nationalen Erbes, unserer Kultur, unseres Denkens, der Küche und Sprache, unveräußerliche Module des polnischen Porträts. Sie bildeten unser Vaterland über Jahrhunderte in ihrer unverwechselbaren Vielseitigkeit mit, obwohl Polen ihnen nicht immer eine liebende Mutter gewesen ist und oft gar eine gefühllose Stiefmutter. Die traurigen Zeichen wollen wir nicht ausradieren: sie werden die Lehren und die Weisheit der Zukunft bilden.

Die Galerie "Das Polnische Alphabet" -ein Projekt an dem wir arbeiten- stellt den Versuch dar, das Erbe des Polen der Jagiellonen und der Republik der Beiden Nationen neu zu entdecken. Ihr Vermächtnis verdient, nach unserer Auffassung, Andenken und Bewahrung. Es ist ein wichtiger Teil unserer Geschichte, welcher über Jahre ins Vergessen verdrängt bzw. tendenziell interpretiert wurde.
Die Reflexion über die Errungenschaften der I. Polnischen Republik kann sich
-unter Berücksichtigung der Herausforderungen, die auf das zeitgenössische Polen im Zusammenhang mit dem Beitritt zur Europäischen Union zukommen- als überaus nützlich erweisen.

Die Jagiellonen Republik war der erste Staat in der Geschichte Europas, welcher weder eine ethnische Einheit noch das Prinzip der Dominanz der einen Nation über die andere kannte, noch die Praxis anderen die Sprache oder den Glauben aufzuzwingen. Es war ein Staat der den Monarchen durch Gesetze beschränkte indem er ihnen Macht auf Grundlage eines Vertragsabschlußes übergab.
Die Sicherung des sozialen Friedens in einem solchen Gebilde - einzigartig für damalige Zeiten - verlangte von den damaligen Politikern großes Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, das sensible Gleichgewicht zwischen den jeweiligen Teilen der Föderation und ihren manchmal gegensätzlichen Interessen zu bewahren.

Man muss keine besondere Vorstellungsgabe besitzen, um in dem damaligen Staatsgebilde den Prototyp der Europäischen Union zu erblicken. Und nichts bestätigt die These besser, dass unsere europäischen Aspirationen nicht etwas Fremdes, von Außen aufgezwungenes sind, sondern tief in der multinationalen Tradition verankert sind. Umso mehr als Polen vor Jahrhunderten im Rahmen einer solchen internationalen und europäischen Föderation den Höhepunkt seines Reichtums erreichte. Paweł Jasienica beschrieb es, als ein Gebilde, dass "(...) einzigartig, mit dem Gesicht der Zukunft zugewandt, jedoch auch schwierig war, und der ständigen Sorge Rechnung tragend mit Uhrmachermeistersorgfältigkeit die verschiedenen, sich im Innern drehenden Rädchen und Gänge sowie ganzer Antriebsräder pflegte". Im Zuge dieser langjährigen und schwierigen Arbeit bildeten sich wertvolle Eigenschaften und Fähigkeiten heraus: Toleranz, Kompromissfähigkeit und Zusammenarbeit trotz der Differenzen, Loyalität gegenüber den Mitbürgern und dem Staat.

Wir sind davon überzeugt, dass die Erfahrungen der letzten zweihundert Jahre das Jagiellonen Erbe nicht gänzlich aus dem polnischen Nationalbewusstsein verdrängt, sondern lediglich ins tiefe Unterbewusstsein verbannt haben. Wir hegen die Hoffnung, dass ein großer Teil der Landsleute das Jagiellonische Genus behalten hat. Zur Zeit ruht er betäubt und unbrauchbar, kann jedoch durch Bildungsmaßnahmen aufgeweckt und zur Arbeit für eine gemeinsame Zukunft eingespannt werden.

Das Projekt "Das Polnische Alphabet" soll sich aus zwei Teilen zusammensetzen: aus einem stationären Museum und einem Miniinternetportal (dessen Testversion man bereits auf dem Portal A forgotten Odyssey - www.aforgottenodyssey.com/gallery/albums.php besichtigen kann).

Das reale Museum (die Arbeiten an diesem Projekt sind bereits fortgeschritten) soll mehrere Tausend Original-Vorkriegs-Postkarten und Fotos präsentieren, die den ethnischen, religiösen und kulturellen Reichtum der Republik darstellen werden. Die Hauptsammlung wird so gruppiert, dass sie der Idee eines multikulturellen Polen entspricht.

Das Internetportal stellt die virtuelle Emanation der Galerie dar. Die Sammlung wird nach den Vorkriegs-Wojewodschaften aufgeteilt und den jeweiligen Ortschaften zugeschrieben. Interessierte aus dem In- und Ausland (nicht nur Polen, sondern auch Deutsche, Ukrainer und andere) werden dazu befähigt ihren Heimatort zu finden, aber auch ihre Postkarten oder Fotos aus eigenem Besitz mit ihrem Kommentar hinzuzufügen. Dadurch sollen sowohl Klubs der jeweiligen Städte und Dörfer entstehen, als auch der jeweiligen nationalen Minderheiten (der Klub der polnischen Deutschen oder deutschen Polen, der Klub der polnischen Roma, polnischen Juden und anderer, auch in ihren nationalen Sprachen). Unser Konzept hat keine Grenzen: der Wilna-Klub wird durch einen Litauer geführt, der Klub Grodno durch einen Polen jüdischer Abstammung, der Klub Szczebrzeszyn von einem Kalifornier. Wir hoffen auf eine Zusammenarbeit mit lokalen Vereinen, Eiferer der Vergangenheit und all denen, die mit Polen emotionale Bünde aufrechterhalten wollen. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten interaktive Werkzeuge um ihre eigenen Errungenschaften zu präsentieren und um Kontakte auf der ganzen Welt aufzubauen.

Dieses große Vorhaben kann erst heute Wirklichkeit werden: Dank den modernen Technologien, die den Einsatz völlig neuer Bildungsmethoden, des Gedankenaustausches und der Online-Diskussion ermöglichen. Aus diesen Möglichkeiten will der Verein �Wir Suchen Nach Polen� (eingetragen durch das Kreisgericht in Białystok am 3. April 2003, KRS 0000157426) schöpfen.

Das Vorhaben �Das Polnische Alphabet� ist eine Bildungsmaßnahme mit Elementen, die junge Menschen ansprechen (online: Bildergalerien, Klubs, Interaktivität). Das Projekt verfolgt das Ziel, die wertvolle Debatte über Polen zu bündeln. Einen gemeinsamen Beitrag zur Bildung des Wissenstandes über Polen und der Aktivierung der Schülerinnen und Schüler im Gymnasialalter zu leisten. Diesem Ziel dient auch die Gewährleistung eines breiten Zugangs zu Informationen (die Testseite einer Online-Tageszeitung, soll nach unseren Vorstellungen durch Studierende und Schülerinnen und Schüler aus Schulen in Białystok realisiert werden).
Wir hoffen, dass die Verknüpfung einer modernen Patriotismus-Lehrstunde und der Multikulturalität der Geschichte mit der modernen Technologie bessere Ergebnisse erreicht als konservative Lehrmethoden der nationalen Bewußtseinsbildung und des Patriotismus. Dass es Dank diesem einzigartigen Vorhaben gelingt, das Jagiellonische Genus wiederzuerwecken und wenigstens in kleinem Maße den Patriotismus zu "privatisieren", welcher in der Öffentlichkeit von Politikern und Berufspatrioten vereinnahmt wurde.

Durch die Reaktivierung der wertvollsten Elemente des Jagiellonischen Genus werden wir es leichter haben ein Vollmitglied des Neuen Europas zu werden.
Wir laden alle zur Mitarbeit an der Erschaffung der Galerie �Das Polnische Alphabet� ein. Grosse und kleine, ältere und jüngere, aus Białystok, Parczewo und Chicago.
Helft mit bei der gemeinsamen Arbeit an dem Aufbau einer Fähre, vollbeladen mit positiven Debatten über Polen, die unsere feste Verankerung am europäischen Kontinent bestätigt, auch wenn es an einem solchen Platz ist, der an dessen äußersten Rand liegt, um diesen wunderbaren Geschmack der östlichen Kultur, zu der wir gehören, zu schmecken.
Obwohl es banal klingt stellt der Leitgedanke, der uns befähigt stolz aus unserer Multikulturalität, der Jahrhundertlangen Liebe zur Toleranz und Brüderschaft zu schöpfen, den Gorset dar auf dem das ganze Kleid hängt.

 Tomasz Wiśniewski                                   Jan Oniszczuk   

www.szukamypolski.com
Übersetzt von Kamil Majchrzak www.peaceresearch.com

 
 
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